Jede Hilfe zählt - Schüler bauen für Haiti

Kirche in WDR3 | 04.05.2024 | 00:00 Uhr

Guten Morgen,

eigentlich wollte ich Ihnen von unserer Haiti Reise

berichten. Mit unserem Schulprojekt „Schüler bauen für Haiti“ wollten wir in

den Osterferien dorthin fahren.

Eigentlich.

Denn zwei Wochen bevor es losgehen sollte, eskalierte

die angespannte Lage in Haiti – ein Land, das von vielen Krisen geplagt ist:

Ende Februar schlossen sich kriminelle Banden

zusammen, griffen staatliche Institutionen in der Hauptstadt Port-au-Prince an,

auch den Flughafen, der für unser Reiseziel unabdingbar ist.

Schweren Herzens mussten wir deshalb die lang geplante

Reise absagen.

Die Berufsschüler und alle, die mitfahren wollten,

waren natürlich total enttäuscht.

Die Menschen in Haiti auch.

Das Projekt „Schüler bauen für Haiti“ lebt davon, dass

wir jedes Jahr hinfahren.

Entstanden ist die Idee im Religionsunterricht einer

Maurerklasse nach dem schweren Erdbeben in Haiti 2010. „Wir sind Maurer, wir

können doch Häuser bauen“, hat damals ein Schüler gesagt. Pfarrer Roland Kühne

begleitet das Projekt seitdem und fährt jedes Jahr mit Auszubildenden nach

Haiti. Dort errichten sie gemeinsam mit den Einheimischen Gebäude: zum Beispiel

Schulen, Waisenhäuser und dazugehörige Toilettenanlagen – da gibt es viel zu

tun. Im letzten Jahr hat die Reise auch noch geklappt. Doch die Situation hat

sich verschärft:

Die Zivilbevölkerung leidet unter der Bandengewalt. In

immer mehr Stadtteilen haben Lebensmittelläden und Banken geschlossen, und die

Preise für Grundnahrungsmittel sind explodiert. Familien leben von ihren

begrenzten Vorräten und können sich kaum mehr selbst versorgen. Fast die Hälfte

der Bevölkerung leidet Hunger. Frauen und Mädchen haben Angst: Sie werden

häufig Opfer sexualisierter Gewalt.

Die Vereinten Nationen haben mit Haitis Politik einen

Fahrplan ausgehandelt. Unter einem Übergangsrat und einer

internationalen Polizeimission soll sich die Sicherheitslage so weit

verbessern, dass sich Menschen wieder frei bewegen können, sich die verheerende

Ernährungslage entspannt und das Land endlich in freien Wahlen eine neue

Regierung bestimmen kann. (1)

Doch das Vertrauen

der Zivilbevölkerung in die Politik ist erschüttert. Viele Versprechen sind nie

gehalten worden. Viel Leid wurde zugelassen.

Bei all dem könnte

man verzweifeln, den Kopf in den Sand stecken.

Es scheint, als sei

es ausweglos, als gebe es keine gute Lösung.

Da begeistern mich

immer wieder unsere Schülerinnen und Schüler, die sagen:

Jetzt erst recht: Wir

lassen Haiti nicht im Stich!

Wir hoffen, dass wir

unsere Reise irgendwann nachholen können.

Ganz egal, aus

welcher Motivation und welchem Glauben –

unsere Schülerinnen

und Schüler finden es wichtig, dass wir Haiti helfen und dranbleiben:

Weil es so nicht

bleiben kann.

Weil wir nicht

wegschauen können.

Weil Haiti kaum einer

auf dem Schirm hat.

Weil das

Nächstenliebe ist.

Weil es um

Menschenrechte geht.

Weil mir im Leben

auch geholfen wurde und ich was zurückgeben will.

Egal warum, egal wie

– jede Hilfe zählt. Da sind sich alle einig.

Das gilt für Haiti

und anderswo.

Jede Hilfe zählt!

Ob mit Zeit, einem

Gebet, Spenden oder der eigenen Arbeitskraft, wie bei den Azubis in unserer

Schule.

„Den Kopf in den Sand stecken“ ist keine

Möglichkeit.

Für nichts und

niemanden auf der Welt.

Pfarrerin Anne

Wellmann aus Tönisvorst.

Quellen:

(1) Stand: 3.4.24 https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/haiti-krise-uebergangsrat-100.html (zuletzt abgerufen

am 10.04.2024)

Redaktion:

Landespfarrerin Petra Schulze

https://www.kirche-im-wdr.de/uploads/tx_krrprogram/63942_WDR35240504Wellmann.mp3

  • 4.5.2024
  • Anne Wellmann
  • © Foto von TopSphere Media auf Unsplash
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