Panikattacken

Kirche in WDR2 | 13.06.2022 | 00:00 Uhr

„Seit einigen Wochen höre ich

Nachrichten nur noch im Radio; oder ich lese sie am Bildschirm. Bekommt mir

besser“, sagt Frank. „Ich hatte den Eindruck ich komme in so eine doomscrolling

Spirale hinein. Das kann ich mir nicht leisten.“

Er hat Angst, dass die

Panikattacken wiederkommen könnten. Es ist zwar schon einige Zeit her, dass

Herzrasen und Luftnot ihm das Gefühl gegeben haben, zu sterben. Aber er möchte

auf keinen Fall, dass die Panik wiederkommt.

„Erwischt hat es mich aus

heiterem Himmel, mitten bei der Arbeit, durch nichts angekündigt: Das Schlimmste

war, dass ich wirklich Todes-Angst hatte. Angst, dass mein Herz aufhört zu

schlagen, nachdem es immer schneller geschlagen hat“, sagt er.“ Ich hätte nie

gedacht, dass mir so etwas passieren würde; das es mich so aus den Latschen

haut!

Seitdem kann ich mit

negativen Erlebnissen schlechter umgehen. Und wenn ich die schrecklichen

Kriegsbilder sehe, frage ich mich, wie Menschen das aushalten können: Ständig

in Angst zu leben.“

Frank ist froh, dass sein

Partner ihm ganz schnell einen Kontakt zu einer befreundeten Therapeutin

vermittelt hat. „Geh da mal hin.“ – hat er gesagt. „Besser eher als später; die

Frau kann was.“

Und sie konnte wirklich.

Nicht von heute auf morgen. Es gab kleine Erfolge und große Rückschläge. Es

dauerte nicht Wochen, sondern Monate, aber schließlich konnte er wieder seine

Arbeit aufnehmen und sich „zurück ins Leben tasten“ – wie er sagt.

„Früher hab` ich mir nie Zeit

eingeplant, in der ich bewusst etwas tue, dass gut für mich ist. Vielleicht hab`

ich da schon auf Kosten meiner Gesundheit gelebt. Das kommt jetzt nicht mehr

vor. Unser Garten war nie so prächtig, wie in diesem Jahr. Ich liebe es einfach

in der Erde zu wühlen, das erdet!“

Und ich habe Kirchen wieder

für mich entdeckt. Nicht so sehr die kleinen Kapellen am Wegesrand. Eher schon

die mit hohen Gewölben und bunten Fenstern. Wenn die Möglichkeit besteht in

einem Besucherbuch zu blättern, tue ich das gerne. Dort hatte jemand einmal

einen Bibelvers aus dem Jesajabuch hineingeschrieben:

Alle, die ihre Hoffnung auf

GOTT setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen

wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.

(Jes. 40,31)

Das hat mir damals so

gutgetan, dass ich den Vers jetzt selbst manchmal hineinschreibe.

In so eine Aufwärtsspirale zu

geraten, ist erhebend. Jetzt weiß ich, es kann gelingen.

Auch Dank Gottes Hilfe.

Redaktion: Pastorin

Sabine Steinwender-Schnitzius

https://www.kirche-im-wdr.de/uploads/tx_krrprogram/58397_WDR20220613Dahl.mp3

  • 13.6.2022
  • Knut Dahl-Ruddies
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