Tier des Jahres

Kirche in WDR2 | 09.02.2024 | 00:00 Uhr

Kennst Du das Tier des

Jahres? Jedes Jahr verleiht die Deutsche Wildtierstiftung diese Ehrung einem

Tier, das Würdigung verdient und häufig auch gerade ein wenig bedroht ist. Manchmal

auch, weil es nicht sehr bekannt ist.

Das gilt dieses Jahr nicht.

Das Tier des Jahres 2024 kennt wohl jedes Kind. Es ist ein nachtaktiver

Wanderer, Einzelgänger und Winterschläfer. In vielen Gärten ist es zu Hause. Es

ist der Igel.

Wildtierexperten sehen mit

Sorge, dass der Igelbestand schleichend abnimmt. Inzwischen wird der kleine putzig-stachelige

Nager sogar auf der Roten Liste der Säugetiere in Deutschland in der

„Vorwarnliste“ geführt.

Die allermeisten Igel leben

heute übrigens in der Stadt, neunmal so viele wie auf dem Land. Aber auch in

der Stadt hat es das Tier schwer. Immer mehr Flächen sind versiegelt und es gibt

zu viele sterile Stein- und Schottergärten.

Also: Der Igel braucht Schutz

und wird darum zurecht geehrt. Auch weil er wie ich finde zwei geradezu

geistliche Fähigkeiten hat:

1. Er kann gut riechen: Der

Igel hat eine sehr, sehr feine Nase. Und kann seine Beute, Insekten, Spinnen

und Regenwürmer, auf seinem wuseligen Weg durch Parks und Vorgärten, in einem

Meter Umfeld riechen und aufspüren.

Eine feine Nase haben, das

heißt Gespür haben für die Situation. Das kann ich nur lernen. Also nicht

Regenwürmer essen, aber riechen, wo Gefahr ist und wittern, wo ich Gutes für

mein Leben und das meiner Kinder finde. Und dann dort zielgerichtet hin.

Und 2. und das finde ich noch

besser: Der Igel kann sich einigeln, also sich schützen ohne dabei andere anzugreifen.

Wer kann das noch?

Viele – auch Menschen – agieren

ja nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Und bevor ich einstecke,

teile ich lieber aus. Leben im Kampfmodus. In der Politik, der Familie, im Kollegenkreis

Es ist nicht überliefert, ob

Jesus einen Igel kannte, aber diese Fähigkeit sich einzuigeln, passt genau zu

seinem Satz: „Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm

auch die andere hin.“ (Matthäus 5, 39). Also nicht Gewalt mit Gewalt begegnen.

Aussteigen aus dem Teufelskreis von Rache und Vergeltung. Wer kämpfen will,

bitte ohne mich!

Na gut, ich habe keine

Stacheln. Aber ich kann eine Haltung wie ein Igel haben, die wirkt wie

Stacheln, und die heißt: Ich lasse mir keine Kämpfe aufzwingen.

Wir sollten dieses wunderbare

Tier achtsam erhalten und dankbar von ihm lernen, wie man Konflikte löst ohne

damit gleich wieder neue zu schaffen. Womöglich kommen wir damit besser durchs

Leben.

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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  • 9.2.2024
  • Joachim Gerhardt
  • © CCO Pixabay
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