Weißt Du, wer ich bin? Leben zwischen Ausgrenzung und Integration

Begegnungen mit Abraham Lehrer

In Dialog treten, zuhören, Fragen beantworten. Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogengemeinde Köln, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Präsident des jüdischen Wohlfahrtsverbandes kam an zwei Tagen ins Vorgebirge – in die Markuskirche und die Versöhnungskirche. Im Jubiläumsjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland trafen ihn erwachsene und jugendliche Gemeindeglieder. Abraham Lehrer ist der Sohn von Holocaust-Überlebenden. 1954 in New York geboren, kam er mit sechs Wochen nach Köln, als seine Eltern nach Europa zurückkehrten. In Köln ist er aufgewachsen. Besonders durch den Vater religiös geprägt, hat er sich früh in der Jugendarbeit der Synagogengemeinde engagiert und ist darüber in seine späteren Ehrenämter hineingewachsen.

Zu Beginn gab er in der Markuskirche eine Einführung in die Organisationsstruktur der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und die gemeindlichen Aufgaben. Daran schlossen sich viele Fragen an – zu Besonderheiten des  jüdischen Lebens für Erwachsene und Heranwachsende und ob seine Eltern mit ihm über die Shoah gesprochen hätten. Der Holocaust war nicht Thema des Abends, aber es gab bewegende Momente, in denen allen Anwesenden deutlich wurde, welche Auswirkungen die nationalsozialistische Vernichtungspolitik für Überlebende hat.

Die Konfirmand:innen interessierte am Sonntag besonders, wie man die Entstehung antisemitischer Vorurteile erklären könne, wie bei Familie Lehrer trotz Personenschutz ein privates Leben möglich sei – bis hin zur Frage, ob es koschere Gummibärchen gebe. Auch die Einzelgespräche beim koscheren Imbiss waren von Offenheit und Neugierde geprägt – ein Konfirmand fragte spontan nach einem Praktikumsplatz in der Synagogengemeinde – und bekam ihn. Auswirkung und Fortsetzung des Begegnungsnachmittags zugleich.

Alexander Wolfshohl